Mein freiwilliges Jahr in Rennes, Frankreich

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Flora war von September 2020 bis Juni 2021 als ESK-Freiwillige in der Organisation Compagnons Bâtisseurs in Rennes tätig.

Servus,

Mein Name ist Flora Blanda und ich mache gerade einen Einsatz im ESC, dass heißt European Solidarity Corps. Ich bin derzeit seit 8 Monaten in Rennes und arbeite mit der Organisation Compagnons Bâtisseurs. Das heißt meine Zeit neigt sich langsam dem Ende zu und mir bleiben nur mehr 2 Monate ☹ .

Arbeitsaufgaben

Meine Organisation hilft grob gesagt Personen mit weniger Geld, oder sonstigen sozialen Problemen, ihre Wohnungen zu renovieren. Ich arbeite zusammen mit einer Gruppe aus Freiwilligen, die aus,, Franzosen“ (die machen ein Service Civique) und internationalen Freiwilligen besteht. Im Moment sind wir zwei internationale Freiwillige und drei Franzosen, aber das ändert sich in manchen Monaten, weil Freiwillige gehen oder neue dazukommen.

Wir haben verschiedene Aufgaben. Unsere Hauptaufgabe ist bei den Chantiers zu helfen. Das heißt zusammen mit einer Animatrice Technique, also eine Person die professionelle Erfahrung hat, renovieren wir zusammen eine Wohnung. Die Animatrice gibt uns Anweisungen und Hilfestellungen, wie man gewisse Arbeiten macht. Im besten Fall, wenn es möglich ist, müssen die Bewohner mithelfen zu renovieren. Ich persönlich habe echt sehr viel gelernt, weil ich vor meinem Volontariat eigentlich keine Ahnung von irgendwas hatte. Ich kann jetzt zum Beispiel ausmalen, Tapeten anbringen, Fliesen legen, PVC-Boden legen, uvm. Dann gibt es den Bricobus. Der Bricobus ist ein Bus, mit dem wir zu den Wohnungen von Personen fahren und Kleinigkeiten reparieren. Eine Intervation mit dem Bricobus ist für die Bewohner gratis und weil es meist nur Kleinigkeiten sind wie Möbel aufbauen, können wir als Freiwillige es auch selbstständig machen. Auch die Kontaktaufnahme, also wann die Bewohner Zeit für eine Intervention haben, machen wir Freiwilligen selber. Außerdem gibt es auch die Chantiers Solidaire. Das sind gemeinnützige Chantiers (also Baustellen), wo wir zusammen mit anderen Freiwilligen, die nur für diesen bestimmten Chantier mithelfen, zum Beispiel ein neues Büro für ein Jugendzentrum errichten. Diese Chantiers Solidaire gefallen mir am besten, weil es da einen kunterbunten Mix von Freiwilligen gibt. Außerdem machen wir auch Administrative Tätigkeiten, Fotos, Videos und eigene Projekte.

Ich fühle mich sehr wohl in meiner Organisation. Sobald man ins Büro geht fragt jeder ob alles okay ist. Vor allem die Gruppe aus Freiwilligen und der Animatrice, mit denen ich zusammenarbeite, ist sehr nett und gestaltet das Arbeiten unterhaltsamer. Meine Tutorin ist superlieb aber sehr vergesslich. Das heißt man muss sie an alles erinnern. Das ist manchmal ein bisschen mühsam.

Land und Integration

Frankreich gefällt mir gut. Vor allem das schöne Wetter! Obwohl die Leute sagen dass in der Bretagne das Wetter jetzt nicht das Beste ist, finde ich es auf jeden Fall besser als in Österreich. Im Allgemeinen gefällt mir die französische Lebensweise sehr gut. Ich weiß nicht... Vielleicht ist es auch einfach nur das Leben eines Freiwilligen, aber seit ich hier bin war ich fast so gut wie nie gestresst - und es gibt wirklich gute Patisserie überall.

Vor allem Rennes gefällt mir sehr gut. Das Stadtzentrum ist wunderschön, es gibt viele Kanäle mit Wasser und die Stadt ist generell sehr grün und hat viele Parks. Man kann alles auch sehr gut per Fahrrad erreichen, aber der öffentliche Verkehr ist auch sehr gut ausgebaut. Die Landschaft der Bretagne ist sehr schön, es gibt wirklich eine Unmenge an süßen Dörfern und Städten. Auch die Strände sind traumhaft.

Von der Integration her ist es so, dass ich mit Franzosen in meiner Arbeit zu tun habe, wir sonst aber eher einen internationalen Freundeskreis haben. Das liegt vielleicht auch daran, dass Rennes eine Studentenstadt ist und es daher viele internationale Studenten gibt. Ich rede mittlerweile hauptsächlich Französisch und nicht mehr sehr oft Englisch.

Reisen

Trotz der Corona-Situation konnte ich ein bisschen herumreisen, auch wenn es mit den Lockdowns und den Kilometerbeschränkungen manchmal etwas schwierig gewesen ist. Hatten wir aber keine Lockdowns oder Kilometerbeschränkungen, haben wie viele kleine Ausflüge am Wochenende in umliegende Dörfer oder Städte gemacht. Auch andere Freiwillige aus anderen Städten haben wir besucht. Ich bin zumindest in der Bretagne viel herumgekommen und auch in ein paar andere Städte in Nordfrankreich. Bis jetzt habe ich alles, was ich gesehen habe, schön gefunden. Es gab keine einzige Stadt und kein einziges Dorf oder eine Landschaft, die mir nicht gefallen hat.

Corona

Die Situation mit Corona ist natürlich sehr nervig, aber obwohl Corona uns viele Dinge unmöglich macht, machen wir das Beste draus und erleben viele schöne Momente. Ich hatte das Glück, dass ich die ersten eineinhalb Monate Rennes sozusagen im ,,Normalzustand“ mitbekommen habe. Wir konnten in Bars und Restaurants gehen und dort auch viele Leute kennenlernen, was den Einstieg sehr viel leichter gestaltet hat. Ich hatte auch zwei Mal in der Woche einen Tanzkurs, was danach natürlich leider nicht mehr möglich war. Auch die ganzen Freiwilligentreffen, die eigentlich in echt wären, haben online stattgefunden, was ich persönlich sehr schade gefunden habe. Zum Glück waren aber die Treffen von den Compagnons Bâttisseurs Freiwilligen in echt. Die Lockdowns waren am Anfang, wo wir die Zeit sehr intensiv als Mitbewohner verbracht haben, noch ganz nett. Den jetzigen Lockdown find ich einfach nur mehr zach. Aus meinen 10 Monaten, die ich in Frankreich bin, waren circa 2 Monate im Lockdown. Das ist halt schon nervig. Und im Moment ist es daher auch schwieriger, neue Leute kennenzulernen. Bevor ich Frankreich verlasse würde ich gerne nochmal in ein Café gehen. Ich hoffe, dass es wirklich Ende Mai möglich sein wird.

Bei der Arbeit hat es sich so verändert, dass wir nicht als gesamte Freiwillige zusammen arbeiten können, sondern aufgeteilt sind und auch an manchen Tagen Home Office haben. Dabei können wir unsere eigenen Projekte und Videos machen, oder administrative Tätigkeiten für die Arbeit erledigen.

Was sonst noch interessant ist

Vor allem die Gemeinschaft im Haus der Freiwilligen ist sehr gut und es hat sich daraus eine enge Freundschaft entwickelt. Das bildet eigentlich das Herz dieses Volontariats, weil wir so ziemlich alles zusammen machen. Ich habe auch bei einem Fotoprojekt mitgemacht, von dem mir meine Mitbewohnerin erzählt hat. Das Projekt wurde von einer Gruppe von Fotografen kreiert, die die internationalen jungen Menschen in Rennes darstellen wollen. Kurz gesagt: Ich habe mitgemacht und die Bilder von mir hängen jetzt in der Station République der U-Bahn in Rennes.