Corona und Studium

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Herausforderungen bringen neue Möglichkeiten – auch für Studierende

Seit mittlerweile drei Wochen lernen und arbeiten viele Student*innen von zu Hause aus. Vorlesungen und Gruppenarbeiten finden nicht mehr in Universitäten oder Fachhochschulen statt, sondern über das Internet.

Unsere Kollegin Katharina studiert berufsbegleitend an der Fachhochschule Wieselburg „Green Marketing“ und schildert wie sich ihr Alltag verändert hat und welche Herausforderungen die neue Situation mit sich bringt:

Die chaotische Anfangsphase
Am Dienstag dem 10. März 2020 haben alle Student*innen in Österreich erfahren, dass die Vorlesungen der Universitäten und Fachhochschulen nun online stattfinden werden. Ich kann mich noch genau daran erinnern, denn ich hatte gerade eine Vorlesung in Wieselburg. Zu Beginn wussten wir und unsere Vortragenden noch nichts. Wirklich gar nichts. Am frühen Abend, ein paar Stunden nach der Pressekonferenz, kamen auch schon die ersten Mails mit der Information, dass der Unterricht ab dem kommenden Wochenende von zu Hause aus stattfindet. Ehrlichgesagt muss ich zugeben, der Gedanke gefiel mir. Denn wer möchte nicht gemütlich auf der Couch mit Joggingshose zu Hause einer Vorlesung lauschen? Den neuen Gedanken einer gemütlichen Vorlesung, hatte ich jedoch nur bis zur ersten Online-Einheit. 


Fragen über Fragen
Wie soll eine Online-Vorlesung mit 37 Student*innen stattfinden? Hören und sehen meine Kolleg*innen mich? Wie finden Prüfungen statt? All diese Fragen schwirrten in meinem Kopf herum.
Doch nach einigen E-Mails von unserer Studiengangs-Leitung, downloaden von diversen Programmen und dutzenden Nachrichten an Studienkolleg*innen habe ich meine erste Vorlesung online und in Joggigshose mit sehr viel schmunzeln verbracht und Antworten auf fast all diese Fragen bekommen.


Eine neue Art der Vorlesung
Es gibt unterschiedliche Programme, welche für eine Online-Vorlesung genutzt werden können. In unserer sind nur Vortragende zu sehen und zu hören, wir Studierenden haben unsere Mikrophone stummgeschaltet und unsere Bildschirmübertragungen ausgeschaltet. Natürlich können wir unsere Fragen durch das Aktivieren des Mikrophons stellen. Das erfordert jedoch Disziplin und einigermaßen viel Mut. Es ist wichtig andere Teilnehmer*innen ausreden zu lassen und das ist gar nicht so leicht in einer Online-Konversation. Überhaupt dann, wenn bei manchen Studierenden das Internet etwas langsamer ist oder wenn vergessen wird das Mikrophon auf stumm zu schalten und plötzlich nur mehr der Song „Dance Monkey“ zu hören ist. Dennoch funktioniert diese Art von Vorlesung meiner Meinung nach sehr gut. Durch das Teilen der bereits vorbereiteten Präsentation können alle Studierenden zur gleichen Zeit die Folien, welche besprochen werden, einsehen. Fast gleich wie in der Fachhochschule nur alleine zu Hause. Also doch irgendwie anders.

 

Es wird persönlicher
Es ist schon ein eigenartiges Gefühl, Vortragende zu Hause in ihrem Arbeitszimmer zu sehen. Die Unterbrechung von hungrigen Katzen die durch den Bildschirm laufen und mich daran erinnern, dass ich auch Hunger habe oder den Kaffeeservice von Partner*innen, den wir durch die Kamera mitbekommen, machen die Vorlesung lebendiger, lustiger und persönlicher.

 

Projekte, Abgaben und Prüfungen
Durch die Umstellung auf den Online-Lehrbetrieb wurden (glücklicherweise) ein paar Abgaben und Prüfungen verschoben. Da diese Umstellung und die Herausforderung den Alltag umzugestalten nicht nur Vortragende und Mitarbeiter*innen der Universitäten betreffen, sondern auch uns Studierende bin ich sehr froh über diese Entscheidung. Die Projektarbeiten mit Studienkolleg*innen sind ungewohnt und erfordern ebenfalls Disziplin, denn in der Online-Abwicklung stecken Probleme oftmals im Detail. Wöchentliche sowie tägliche Online-Meetings finden statt, um die nächsten Schritte und Arbeitsaufgaben für die nächsten Tage zu besprechen.
Es ist gar nicht so leicht eine passende Uhrzeit zu finden, da wir ja alle berufsbegleitend studieren und vielleicht noch die ein oder anderen Sonnenstunden im Garten oder am Balkon genießen möchten.

Und hier kommen wir auch zur größten Herausforderung des Onlinelehrbetriebs: die eigene Strukturierung des Alltags. Ich spreche hier bestimmt für mehrere Studierende, denn zu Hause oder in der WG, wo Mitbewohner*innen und Familie sich gegenseitig ablenken, kurz in dein Zimmer kommen und dich etwas meist belangloses fragen oder man einfach kurz die Sonne genießen möchte, werden die Arbeitsaufgaben, lernen für Prüfungen und anstehende Projekte oft vergessen und auf den nächsten Tag verschoben. Wie so eine Online-Prüfung stattfinden wird bzw. wie sich diese genau gestaltet ist noch ungewiss. Ich bin auf alle Fälle schon sehr gespannt auf den Vorgang.

 

Home-Office als Zukunftsmöglichkeit?
Stätige Statusberichte oder nur Updates über geplante Vorgänge bezüglich der Online-Vorlesungen erreichen uns wöchentlich. Die Lehrveranstaltungen wurden so umstrukturiert, dass ich meine Studienkolleg*innen voraussichtlich erst wieder nächstes Semester oder Ende Juni wiedersehen werde. Somit stelle ich mich den Herausforderungen, die eine Online-Vorlesung mit sich bringt also ein paar weitere Wochen.

Neben den Herausforderungen bietet die Umstellung jedoch auch einige Vorteile. Nicht nur lernen wir neue technische Methoden oder beschäftigen uns mit den bereits bekannten Methoden vermehrt, auch können wir durch die Situation mehr Zeit mit unseren Liebsten (sofern alle in einem Haushalt wohnen) verbringen. Es kann also die derzeitige Situation auch als Chance für die Zukunft genutzt werden, um diverse Methoden nach der Ausgangsbeschränkungen in unseren beruflichen Alltag zu integrieren und somit mehr Zeit zu Hause verbringen zu können.

Die Osterferien habe ich genutzt, um meinen neuen Alltag mit meiner Familie zu genießen und freue mich schon sehr auf einen persönlichen Austausch mit meinen Studienkolleg*innen und auch auf Vorlesungen vor Ort. Denn Vorfreude ist ja bekanntlich die größte Freude.