"Einfach d‘rauf losfahren"

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Mario Kickinger (Foto: 2020 Stefan Kuback/KBKimages.com) Mario Kickinger (Foto: 2020 Stefan Kuback/KBKimages.com)

Er ist gelernter Tischler, kreativer Upcycler und zählt seit Jahren zu den Aushängeschildern der St. Pöltner Skateboardszene – Mario Kickinger. Im exklusiven Interview blicken wir hinter die Kulissen des sympathischen 32-Jährigen.

STECKBRIEF
Name: Mario Kickinger aka „Kicki“
Alter: 32 Jahre
Herkunft/Wohnort: St. Pölten
Verein: Stp Skate Association
Gesponsert seit: 2006
Sponsoren: Magenta Skateboards, Tensor Trucks, The Elders, Lakai Footwear
Stance: Goofy
Größter persönlicher Erfolg: Coverfoto auf dem “Shaped By The Board” -Magazin 2016

 

Mario, wie und in welchem Alter bist du zum Skateboarden gekommen?
Ausgangspunkt war mein 12. Geburtstag, als ich von meinen Großeltern ein Skateboard geschenkt bekommen habe – zum Glück, denn es hätte auch ein Snakeboard werden können. Bis dahin hatte ich nicht wirklich viel Ahnung vom Skateboarden. Wie das Ganze funktioniert und was alles möglich ist, habe ich mir erst von Skatevideos und anderen Skateboardern im Park abgeschaut … und dann einfach selbst probiert!

Ab wann hast du gemerkt, dass du großes Talent fürs Skaten hast?
Das ist mit der Zeit gekommen. Ich liebe es einfach zu skaten und wollte immer neue Tricks probieren. Und je öfter ich skateboarden war und je länger ich dabeigeblieben bin, desto mehr Tricks sind dann dazu gekommen.

Wie oft skatest bzw. trainierst du in der Woche?
Von einem Training im herkömmlichen Sinn kann man nicht sprechen. Ich skate, weil es mir großen Spaß macht und einfach taugt! Wenn das Wetter passt, bin ich bestimmt 5-6 Mal die Woche auf dem Brett unterwegs.

Bist du mehr in Skateparks oder eher auf der Straße zu finden?
Auf der Straße. Die Architektur und die unterschiedlichsten Elemente in den Städten zu skaten macht für mich den eigentlichen Reiz aus.

Hast du einen Lieblingsspot?
Da gibt es so viele auf der Welt. Einer meiner liebsten in der Gegend ist aber das alte Butterwerk in Prinzersdorf.

Skaten gehört zu den nicht ungefährlichen Sportarten. Hast du schon mit gröberen Verletzungen zu tun gehabt?
Leider ja. Ich habe mir unter anderem schon viermal die Hand gebrochen und einmal das eigene Deck ins Gesicht geschossen, inklusive durchlöcherter Oberlippe und gerissener Nasenscheidewand.

Wie hast du es geschafft, dich nach den Verletzungen zu motivieren wieder Skateboard zu fahren?
Alle Verletzungen sind bei kleinen und unnötigen Spielereien zustande gekommen – a blöde G’schicht hald. Das Verlangen zu rollen war aber immer größer als die Angst vor Stürzen oder vor Verletzungen. Die gehören eben einfach mit dazu. 

Kannst du vom Skateboard fahren leben?
Nein, das ist in Österreich nicht wirklich möglich. Dafür steckt hierzulande zu wenig Geld im Skateboarding. Um wirklich davon leben zu können, müsste man in die USA gehen, wo die Skateboard-Kultur einen viel größeren Stellenwert hat und eine entsprechende Industrie mit großen Events dahintersteht.

Gibt es bestimmte Ziele, die du als Skateboarder erreichen möchtest?
Ja, ich will unbedingt noch in verschiedenen Ländern skaten – unter anderem eben in den USA, Südamerika oder auch einfach in Griechenland.

Was macht einen guten Skateboarder aus und welche Skills braucht man dafür?
Du brauchst eine gute Balance, solltest beweglich sein und vor allem: Du solltest Spaß daran haben!

Wie würdest du dein Skaten beschreiben?
Technisch! Ich mag es Tricks miteinander zu kombinieren und kreativ zu skaten.

Dein Tipp an junge Menschen, die auch zum Skateboarden anfangen wollen?
Einfach d‘rauf losfahren und niemals aufgeben!

Letztes Jahr warst du bei den Workshops des St. Pöltner Festpielhaus-Jugendklub als Tischler und Upcycler unterwegs, dieses Jahr kommst du als Skateboarder. Was dürfen sich die Jugendlichen von deinem Workshop „Welcome To The Grip“ (29.10.–1.11.2020) erwarten?
Wir werden zusammen alle Grundlagen des Skateboardfahrens durchgehen und lernen. Für all jene, die schon mehr Erfahrung auf dem Skateboard haben, werden wir je nach Level gezielt arbeiten. Am Ende des Tages soll jeder Jugendliche genug Spaß haben, um weiter auf dem Brett rollen zu wollen. [Mehr Infos zu den Workshops des Jugendklubs auf: www.festspielhaus.at/de/kulturvermittlung/jugendklub/jugendklub-2020]

Welche persönliche Motivation steckt dahinter, mit jungen Menschen zusammenzuarbeiten?
Ich finde es schön, wenn ich jungen, skateboardinteressierten Menschen Tricks erklären und näherbringen kann. Im Idealfall finden sie Freude am Skaten, sind motiviert wieder etwas Neues zu lernen und bleiben dabei. Nachwuchsarbeit ist ein wichtiger Baustein der Skatekultur. Gerade, weil es bei uns nicht wie bei anderen Mainstream Sportarten zweimal die Woche fixe Trainings mit einem Coach gibt, der einem genau erklärt, was man zu tun hat ...Skateboarden ist ein individuelles Ding, das man sich im Grunde selbst beibringt. Ich versuche nur ein wenig Hilfestellung zu geben.

Was wünscht du dir vom Workshop und den Teilnehmer*innen?
Dass sie motiviert und bereit sind, Neues zu lernen.

 

WORDRAP

Mein erstes Skateboard war … ein World Industries Deck.

Für diesen Trick bin ich in der Szene bekannt … Switch Backside Bigspin, Nose- und Tailslides. Wenn geht, dann auch gerne mal mit 270 out.

Meine Skate-Vorbilder sind … Ronnie Creager und Wade DesArmo.

So viele Decks habe ich gecrackt … Gar nicht so oft! In etwa 20 Stück.

Meine größte Skate-Herausforderung … ein Frontside Bluntslide Bigspin out im Regierungsviertel. Gestanden!

Auf eine einsame Insel nehme ich mit … mein Skateboard, what else.

In meiner Playlist läuft (immer wieder) … Biggy Smalls.

Dieses Tier darf nicht in mein Haus … Gelsen. 

In meinem Kühlschrank findet sich immer … Innocent Saft.

Glück bedeutet für mich … einen Trick zu stehen.

Mein Wunsch für die Zukunft ist … noch lange skaten zu können.

Meine letzten drei Worte … "Be water, my friend”- Bruce Lee.