Festivals rule(s)!

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Sommerzeit heißt Festivalzeit! Egal, ob große oder kleine Festivals - spätestens ab Juni sprießen die allseits beliebten Musik-Happenings wie Schwammerl aus dem Boden und viele von uns pilgern mit Zelt und Gummistiefeln zu den Brettern, die die Welt bedeuten. In ein paar Tagen so viele Lieblingsbands wie möglich live zu sehen oder dem gediegenen Campingplatzleben zu frönen, gehört in den Sommermonaten mittlerweile zum guten Ton. Neben dem Timetable und genügend Sonnenschutz gibt es aber gerade für junge FestivalbesucherInnen ein paar rechtliche Dinge zu beachten. Fragen wie „Ab wie viel Jahren darf ich auf Festivals?“, „Was dürfen Securitys auf Festivals?“ oder „Brauche ich das Einverständnis meiner Eltern?“ sind nur einige, die sich speziell junge Leute unter 18 Jahren oft stellen. Wir versuchen in diesem Artikel ein wenig Licht auf diese und andere, wichtige Fragen zu werfen!

Auf zum Festival! Darf ich überhaupt alleine auf ein Festival?

Festivals sind in der Regel „öffentliche Veranstaltungen“ im Sinne der Jugend(schutz)gesetze, da sie allgemein zugänglich sind. Daher gelten auf Festivals auch die zeitlichen Begrenzungen für den Aufenthalt von Jugendlichen. Je nachdem wo das Festival stattfindet gelten immer die Aufenthaltszeiten des Bundeslandes, in dem du dich gerade befindest – und die können eben von Bundesland zu Bundesland verschieden sein. In Niederösterreich darfst du unter 14 Jahren bis maximal 22:00 Uhr alleine unterwegs sein, zwischen 14 und 16 Jahren bis 01:00 Uhr in der Früh und ab 16 Jahren schon unbegrenzt.
Dabei sind aber noch zwei Dinge zu beachten:
Erstens haben deine Erziehungsberechtigten das sogenannte „Aufenthaltsbestimmungsrecht“. Das bedeutet, dass sie dir den Besuch eines Festivals nicht erlauben müssen und dir auch kürzere Ausgangszeiten vorschreiben dürfen als die im Gesetz vorgesehenen (nicht aber längere, denn die Obergrenzen sind auch für die Erziehungsberechtigten bindend). Nur weil du also mit beispielsweise 15 Jahren von Gesetzes wegen bis 01:00 Uhr ausbleiben darfst, können deine Eltern aber auch schon einen „Zapfenstreich” um 23:00 vorschreiben. Umgekehrt dürften sie dir aber keinen längeren Ausgang erlauben.
Zweitens gibt es die Möglichkeit, länger als grundsätzlich erlaubt mit einer Begleitperson auszubleiben. In NÖ kann Begleitperson sein, wer volljährig ist und wem von den Erziehungsberechtigten die Aufsicht übertragen wurde. Wer also Verwandte oder Bekannte ab 18 Jahren hat, die das Vertrauen der Eltern genießen, kann mit ihnen zusammen länger feiern. Ein schriftlicher Nachweis über die Übertragung der Aufsicht an die Begleitperson ist nicht zwingend erforderlich, hilft aber im Falle einer Kontrolle Zweifel schnell aus dem Weg zu räumen und ist deswegen durchaus anzuraten.
Mehr Infos zum Thema Ausgehzeiten und eine Übersicht über die geltenden Bestimmungen der jeweiligen Bundesländer findest du hier.

Übernachten bei Festivals

Wenn du bei mehrtägigen Festivals auch über Nacht bleiben willst, dann gelten für das Übernachten im Zelt am Campingplatz oder in einer sonstigen Unterkunft andere Regeln als für den bloßen Aufenthalt am Festival selbst. Grundsätzlich brauchst du für das Übernachten wegen dem Aufenthaltsbestimmungsrecht zunächst einmal die Zustimmung deiner Erziehungsberechtigten dafür. Weiters kommt es wieder darauf an, in welchem Bundesland du bist; manche Länder verlangen für das alleinige Übernachten ein Mindestalter, manche verlangen eine Aufsichts-/Begleitperson und wieder andere Länder begnügen sich mit der Erlaubnis der Eltern, wie das z.B. in NÖ der Fall ist. Eine vollständige Übersicht über die unterschiedlichen Landesregelungen zum Übernachten von Jugendlichen findest du in unserem Artikel zu den Übernachtungsregeln.

Festivals im Ausland

Solltest du für deinen Festivalbesuch gar in die Ferne schweifen wollen, dann können noch einmal ganz andere Regeln und Gesetze gelten. Bevor du dir also vielleicht umsonst einen teuren Trip nach Übersee zum angesagtesten Festival der Welt buchst, informiere dich unbedingt vorab über die dort geltenden Jugendschutzbestimmungen und andere örtliche Gesetze, die für dich wichtig sein könnten!
Einen Überblick über die Jugendschutzbestimmungen in Europa findest du auf der Website der Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz e.V. unter www.protection-of-minors.eu. Über die Jugendschutzbestimmungen in allen anderen Ländern der Welt informierst du dich am besten bei der zuständigen Botschaft bzw. dem jeweiligen Konsulat. Auf der Website des Ministeriums für Europa, Integration und Äußeres findest du unter www.bmeia.gv.at/botschaften-konsulate eine Suchfunktion für die ausländischen Vertretungen in Österreich.
Und natürlich greift auch hier wieder das Aufenthaltsbestimmungsrecht: Bis zu deinem 18. Geburtstag darfst du ohne Zustimmung der/des Erziehungsberechtigten nicht alleine verreisen. Wenn du unter 18 Jahren verreist, solltest du deshalb stets eine schriftliche Einverständniserklärung („Reisevollmacht“) bei dir haben. Diese sollte folgende Punkte enthalten, um bei möglichen Kontrollen Missverständnissen vorzubeugen:

  • Name der Erziehungsberechtigten
  • Adresse der Erziehungsberechtigten
  • Telefonnummer der Erziehungsberechtigten
  • Erklärung der Erziehungsberechtigten, dass diese mit der Reise einverstanden sind
  • Zudem ist es sinnvoll, den Ort und den Zeitraum der Reise anzugeben sowie die Einverständniserklärung (auch) in der jeweiligen Landessprache zu verfassen.

Alkohol, Tabak und andere Suchtmittel

Was punkto Alkohol und Tabak im Alltag für Jugendliche gilt, gilt natürlich auch auf Festivals. In NÖ ist für beides ein einheitliches Mindestalter von 16 Jahren vorgeschrieben, in anderen Bundesländern gibt es zum Teil davon abweichende Regelungen.
Bei E-Produkten wie E-Zigaretten oder E-Shishas sieht es etwas anders aus. Bis jetzt haben nicht alle Bundesländer Jugendschutzregelungen diesbezüglich getroffen. In den Bundesländern, in denen Bestimmungen darüber geschaffen wurden, sind E-Produkte ebenfalls erst ab 16 Jahren erlaubt. Aber auch in den Bundesländern ohne diesbezügliche Regeln ist schon aus gesundheitlichen Gründen gerade bei Jugendlichen vom Konsum solcher E-Produkte abzuraten; es fehlen einfach noch die nötigen Langzeitstudien über die Wirkung von Tabakersatzprodukten, um genau sagen zu können, was diese (besonders in jungen Körpern) anrichten können. Zudem haben sich die meisten Händler ohnehin ein freiwilliges Abgabeverbot an unter 16Jährige auferlegt.
Drogen und andere Stoffe, die geeignet sind rauschähnliche Zustände, Süchtigkeit, Betäubung oder Erregungszustände hervorzurufen, sind in NÖ sowieso für Jugendliche verboten, auch wenn sie nicht im Suchtmittelgesetz stehen. Mehr Infos erhältst du in unserer Broschüre „Recht § Leiwand“ ab Seite 8.


Love, Peace and Happiness - wer darf ab wann mit wem?

Wenn sich beim Headliner in der riesigen Crowd zwei verstohlene Blicke treffen sollten, was dann schließlich zu „mehr“ im Zelt am Campingplatz führen, dann ist es vielleicht nicht schlecht zu wissen, ab welchem Alter man beim Sex auch rechtlich safe ist.
Grundsätzlich ist man ab 14 Jahren sexualmündig und darf ab dann seine Sexualität gemeinsam mit anderen ausleben, sofern der/die PartnerIn auch damit einverstanden ist und ebenfalls 14 Jahre oder älter ist.
Ist jemand unter 14 Jahre alt, der/die PartnerIn aber über 14, dann ist bei sexuellen Handlungen Vorsicht geboten:

  • Sexuelle Kontakte, bei denen es NICHT zum Geschlechtsverkehr kommt, bleiben straffrei, sofern der/die jüngere PartnerIn mindestens 12 Jahre alt ist und der Altersunterschied nicht mehr als vier Jahre beträgt. Beispiel: Sie ist 12, er ist 16 – Petting oder Ähnliches ohne Geschlechtsverkehr zwischen beiden ist erlaubt.
  • Geschlechtsverkehr bleibt dann straffrei, wenn der/die jüngere PartnerIn mindestens 13 Jahre alt ist und der Altersunterschied nicht mehr als drei Jahre beträgt. Beispiel: Er ist 13 und sie ist 16 – Sex zwischen beiden ist rechtlich ok.

All diese Fallbeispiele beziehen sich selbstverständlich auf freiwillige sexuelle Handlungen - alles andere stellt Missbrauch dar und ist immer strafbar. „Nein“ heißt immer „Nein“!
Mehr Infos zum Thema Sexualität und Recht findest du ebenfalls in der „Recht § Leiwand“ ab Seite 14.

Vom Hausrecht des Veranstalters, Securitys und Kontrollen

Unter dem „Hausrecht“ versteht man das Recht eines Veranstalters, den Besuch seiner Veranstaltung von Bedingungen abhängig zu machen (z.B. das Einhalten der Hausordnung) oder Personen aus sachlichen Gründen von der Veranstaltung überhaupt auszuschließen. Der Veranstalter darf also bestimmen, wer sein Festival besuchen darf und wer nicht, an welche Regeln sich die Besucher zu halten haben und wer gegebenenfalls vom Event ausgeschlossen wird. Dabei darf der Veranstalter aber weder unsachlich noch unverhältnismäßig vorgehen! Das bedeutet, dass er beispielsweise den Eintritt zwar an das Kaufen einer Karte knüpfen darf, nicht aber etwa an die Hautfarbe der Besucher, was rassistisch und somit unsachlich wäre. Andererseits darf er Besucher der Veranstaltung verweisen, wenn sie sich zum Beispiel nicht an ein Rauchverbot halten, sofern er das mit angemessenen Mitteln wie mit einem Platzverweis macht. Den Besucher in so einem Fall aber in den Schwitzkasten zu nehmen und wortwörtlich hinauszuschmeißen ginge sicherlich zu weit.
Von seinem Hausrecht macht der Veranstalter meist Gebrauch, um seinen eigenen gesetzlichen Verpflichtungen wie z.B. der Einhaltung des Jugendschutzes nachzukommen oder um seine eigenen Regeln (die Hausordnung) durchzusetzen. Dabei bedienen sich Veranstalter meist privater Sicherheitsleute. Diesen Securitys kommen aber keine hoheitlichen Befugnisse wie der Polizei zu, sie sind also der verlängerte Arm des Veranstalters, nicht aber des Gesetzes. Als solche dürfen sie genauso viel und genauso wenig wie alle anderen privaten Personen.
Ohne deine freiwillige Einwilligung darf von Gesetzes wegen nur die Polizei deinen Ausweis und deine Tasche kontrollieren; das heißt, dass Securitys dich nicht dazu zwingen können, deinen Ausweis herzuzeigen oder deine Tasche bzw. deinen Rucksack geöffnet vorzuweisen. Eine generelle Ausweispflicht besteht im Übrigen für österreichische Staatsbürger nicht, auch nicht gegenüber der Polizei! Nur Personen ohne österreichische Staatsbürgerschaft müssen immer einen Ausweis mit sich führen. Dennoch ist es sinnvoll einen Ausweis immer dabei zu haben:
Zum einen kann es der Veranstalter zu einer Bedingung für den Besuch seines Festivals machen, dass die Leute freiwillig ihre Ausweise und Taschen kontrollieren lassen. Du musst das nicht machen – der Veranstalter muss dich dann aber auch nicht auf sein Event lassen. Zum anderen darf die Polizei sehr wohl deine Identität feststellen, zum Beispiel auf einem Festival um 23:00 Uhr, um zu überprüfen, ob du schon über 14 Jahre alt bist und überhaupt noch dort sein darfst. Und auch wenn du dann nicht verpflichtet bist einen Ausweis bei dir zu haben, so geht eine solche Identitätsfeststellung mit einem geeigneten Ausweis doch am einfachsten und am schnellsten.
Insofern führt also meist kein Weg an der Mitnahme eines Ausweises und an Taschenkontrollen vorbei, sofern man eine Veranstaltung auch wirklich besuchen möchte oder sich gegebenenfalls längere Diskussionen mit der Polizei ersparen möchte.
In Niederösterreich gibt es genau für solche Fälle die 1424 Jugendkarte, die als gesetzlicher Altersnachweis dient. Damit muss man nicht so heikle Ausweise wie den Reisepass auf ein Festival mitnehmen, und tolle Vergünstigungen gibt es mit der 1424 Karte obendrauf! Deine eigene 1424 Jugendkarte erhältst du hier:

http://www.jugendinfo-noe.at/1424-jugendkarte/hol-sie-dir

 

Weitere Infos darüber, welche Rechte dir gegenüber der Polizei und Securitys zustehen, erhältst du in unserer Broschüre „Straßenanwältin“!

In diesem Sinne: Viel Spass bei einem der zahlreichen Festivals und noch einen (R)echt sicheren Sommer! 😉