Berufsorientierung

Thomas über seinen Werdegang im Gesundheitsbereich

Thomas über seinen Werdegang im Gesundheitsbereich

In dieser Ausgabe erzählt uns Thomas Pechatschek (29 Jahre aus Kirchberg an der Pielach) alles über seinen Werdegang im Gesundheitsbereich. Der Sozialpädagoge ist Medizinischer Masseur und studiert Physiotherapie an der FH St. Pölten.

1424: Wie wird man Medizinischer Masseur?
Thomas: Die Ausbildung dauert mindestens ein Jahr und besteht zur Hälfte aus Theorie und zur anderen aus Praxis. Man kann sich außerdem aussuchen, ob man den Bildungsweg Vollzeit oder berufsbegleitend absolviert, der in Form von Kursen (WIFI) oder auch an Privatschulen (Fachschule Bergler in Graz) angeboten wird. Es ist auch kein Problem die Ausbildung in einem anderen Bundesland zu machen – ich selbst war ein halbes Jahr in Graz und habe dann mein Praktikum in der Kletterhalle in Weinburg abgeschlossen.

1424: Was kostet die Ausbildung und braucht man dafür Vorkenntnisse?
Thomas: Die Kosten belaufen sich auf etwa € 5.000, und Vorkenntnisse braucht man keine.
Soweit ich weiß, sollte man mindestens 17 Jahre alt sein und man muss ein Gesundheitsattest
mitbringen. Es gibt auch keine Aufnahmeprüfung.

1424: Wo kann man als Medizinischer Masseur arbeiten?
Thomas: Vorwiegend in physikalischen Abteilungen in Spitälern, in Wellnessbetrieben, in
Thermen oder auch physiotherapeutischen Praxen. Wesentlich bei diesem Beruf ist, dass man
sich nicht sofort selbstständig machen kann, sondern erst nach Absolvierung der halbjährigen
Weiterbildung zum Heilmasseur.

1424: Welche Voraussetzungen sollte man mitbringen, wenn man diesen Beruf ausüben möchte?
Thomas: Als erstes würde ich sagen, dass generelles Interesse für den medizinischen Bereich vor-
handen sein sollte, da man während der Ausbildung zum Beispiel auch sehr viel Theorie in den
Fächern Anatomie bzw. Pathologie lernen muss. Wichtig ist auch die Freude an der Arbeit mit
Menschen. Wenn einem im Krankenhaus schon schlecht vom Geruch eines Desinfektionsmittels
wird, ist man vielleicht für diese Art von Beruf nicht besonders geeignet. Es kann mitunter
durchaus vorkommen, dass man eine Lymphedrainage an einem furchtbar geschwollenen oder
auch offenen Fuß durchführen muss, das sollte einem bewusst sein.

Wer glaubt, dass man nur lernt seine Kunden mit Öl einzureiben, wird bald feststellen, dass das
nicht der Realität entspricht.

1424: Was würdest du einem Jugendlichen raten, der gerne Masseur werden möchte?
Thomas: Einfach einmal ausprobieren. Mama, Schwester oder Bruder schnappen und mit ein
wenig Öl einreiben. Dann merkt man ziemlich schnell, ob man erstens Spaß daran findet und
zweitens durch ein Feedback auch gleich, ob man Talent dafür hat.

Als weiteren Schritt wäre es ratsam bei einer Massagepraxis nachzufragen, ob man ein wenig
in deren Arbeitsalltag reinschnuppern darf. Erst dann sollte man sich an einer Schule vorstellen
und sich diese anschauen.

In die Schule, an der ich war, konnte man einmal pro Woche kommen und sich ein Bild von den
Räumlichkeiten und vom Unterricht machen. Übrigens sollte man sich auch bewusst sein, dass
es sich um einen körperlichen Beruf handelt.

1424: Da du ja momentan die Ausbildung zum Physiotherapeuten machst, würde ich auch gerne
ein bisschen mehr darüber von dir erfahren. Warum hast du dich eigentlich für diese Weiter-
bildung entschieden?
Thomas: Weil für mich schnell klar war, dass mir die Massage alleine zu wenig ist. Ich habe im
Praktikum fast immer mit Physiotherapeuten zusammengearbeitet und dabei festgestellt, dass ich
als medizinischer Masseur meine Patienten nicht so ganzheitlich behandeln kann wie ich mir das
vorgestellt habe. Alles kann man nun einmal nicht „wegmassieren.“ Als Physiotherapeut stehen
einem ganz einfach schon ein paar mehr Möglichkeiten zur Verfügung. Wichtig war mir außerdem
auch der Aspekt der Selbstständigkeit.

1424: Viele möchten gerne an der FH für Physiotherapie aufgenommen werden. Was ist dein Tipp
für jene, die es versuchen?
Thomas: „Versuchen“ ist mit Sicherheit gleich einmal das richtige Wort; sich anschauen wie das
Ganze abläuft und an mehreren FH´s bewerben. Vorbereiten könnte man sich, indem man mit
anderen Studenten spricht, die es schon geschafft haben. Gute Möglichkeiten dazu gibt es am
jeweiligen Tag der offenen Tür oder auf der BeSt Messe in der Wiener Stadthalle!

Ein gutes Allgemeinwissen ist sicherlich von Vorteil, da es auf allen FH´s abgeprüft wird. Es gibt
eigene Bücher, mit deren Hilfe man sich auf einen solchen Test vorbereiten kann. Grundsätzlich
besteht das Aufnahmeverfahren aus drei Stufen, bei der die erste eben dieser „Intelligenztest“ ist.
Bei der zweiten geht es schon mehr um eine gewisse Sportlichkeit, Koordination, Körperbe-
herrschung und auf jeden Fall Freude an der Bewegung.

Die dritte Phase ist das Aufnahmegespräch,  auf das man sich auch gut vorbereiten kann.

Man sollte genau wissen warum man die Ausbildung machen will und worum es in diesem Job
geht. Es ist hierbei wichtig keine allgemeinen Floskeln zu verwenden wie; „Ich möchte gerne mit
Menschen zusammenarbeiten“ sondern eher gut zu argumentieren, warum sich die Fachhoch-
schule genau für „dich“ entscheiden sollte und auch „Klassiker“ wie die eigenen Stärken und
Schwächen sind hier gefragt.

Es geht bei allen drei Teststufen nicht darum perfekt zu sein – das kannst du eigentlich gar
nicht schaffen. Auch ich habe bei allen Stufen geglaubt, dass das nie was werden wird.

1424: Wenn man bei der Aufnahmeprüfung durchfällt – was dann?
Thomas: Wenn jemand wirklich diesen Job machen will – dann auf keinen Fall aufgeben und
noch mal probieren. Die meisten meiner Kollegen haben es mehrmals versucht; manche
sogar dreimal. Es gibt nur wenige die es beim ersten Mal geschafft haben. Also: NICHT ab-
schrecken lassen!!

1424: Was glaubst du wäre eine optimale Zwischenlösung – zwischen den Versuchen?
Thomas: Manche machen ein Freiwilliges Soziales Jahr oder  ein „Schnupperpraktikum“
– damit kann man auch  gleich überprüfen, ob dieser Beruf wirklich das Wahre für einen ist.

Wenn man es sich leisten kann, ist sicher die zwischenzeitliche Ausbildung zum Medizin-
ischen Masseur von Vorteil. Hierbei bekommt man einen guten Einblick, was einen ungefähr
erwartet.

Eine weitere Möglichkeit wäre auch die Fortbildung zum Sportmasseur – diese dauert nur
einen Monat und ist unter anderem eine gute Vorbereitung.

DIE BERUFSFELDER IM ÜBERBLICK:

(Gewerbliche/r) MasseurIn

• 2 Jahre Lehrzeit (Grundausbildung ca. 640 Std.)
• dürfen nur einen gesunden Körper behandeln
• arbeiten in Physikalischen Zentren, Wellness-Hotels, Rehabilitations- und Kuranstalten, sowie
Kleinbetrieben des Masseursgewerbes
• sie können die Gewerbeprüfung ablegen und sich selbständig machen
• können sich zur/m medizinischen MasseurIn oder zur HeilmasseurIn fortbilden

Medizinische/r MasseurIn

• Mindestalter: 17 Jahre
• Die Ausbildung umfasst ca. 800 Stunden
• Führen nach ärztlicher Annordnung die Behandlungen durch
• Arbeiten in Krankenhäusern, Kurzentren, Rehabilitationskliniken, sportmedizinischen
Einrichtungen und ärztlichen und physiotherapeutischen Praxen
• Dürfen ihren Beruf nur in einem Dienstverhältnis ausüben
• Können sich zur HeilmasseurIn fortbilden • können eine Gewerbeprüfung ablegen und sich
selbständig machen.

HeilmasseurIn

• Mindestalter 17 Jahre
• Voraussetzung: Zulassung zur/m gewerblichen oder zum medizinischen Masseur/In
• Führen nach ärztlicher Anordnung die Behandlungen durch • Arbeiten in Krankenhäusern,
Kurzentren, Rehabilitationskliniken, sportmedizinischen Einrichtungen und ärztlichen und
physiotherapeutischen Praxen
• Dürfen ihren Beruf selbständig ausüben und eigene Praxen führen

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